Burnout

Ob Burnout ein Syndrom oder eine Erkrankung ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Aufgrund meiner großen beruflichen Erfahrung mit Führungskräften weiß ich allerdings, dass gerade Führungskräfte ein erhöhtes Risiko haben, betroffen zu sein. Eine sehr ernste Situation in der Hilfe und Unterstützung unbedingt erforderlich sind. Wir klären über Bedeutung und Lösungen auf.

 

Der Prozess fängt oft schleichend an und äußert sich irgendwann in einem Zustand völliger Erschöpfung. Die Erschöpfung ist dabei umfassend und erfasst Körper, Geist als auch Seele. Die Leistungsfähigkeit ist massiv gemindert, wie auch der Spaß am Leben. Wie es das aus dem Englischen stammende Wort selbst besagt, ist der Mensch ausgebrannt. Wie es aus ärztlicher Sicht hierzu kommt, vermag ich nicht zu beurteilen. In meinem Team haben wir für uns selbst gewisse Erfahrungen gewonnen. Letztendlich ist jedoch die wichtigste Frage wie, nach entsprechender Diagnose, dem Burnout entgegnet werden kann und welche Strategien es gibt wieder leistungsfähig zu werden, aber auch welche Möglichkeiten der Prävention es gibt.

 

Diagnose

 

Bereits die Diagnose ist nicht einfach zu treffen. Wir haben uns mit vielen Fachleuten unterhalten und eine eindeutige Definition ist schlicht nicht existent. Es gibt jedoch Anzeichen:

 

  • Emotionale Erschöpfung, „nichts macht mehr Spaß“
  • Arbeit wird als Belastung empfunden
  • Führungsverantwortung wird nicht als Chance, sondern plötzlich als Angstfaktor empfunden
  • Innerliche Distanziertheit von der Arbeit
  • Stark verminderte Leistungsfähigkeit, plötzlich fällt alles schwer
  • Abschalten wird immer schwieriger. Eigentlich dreht sich bis in den Schlaf hinein alles um die Arbeit

 

Burnout, gerade bei Führungskräften ist zwangsläufig eng mit dem Arbeitsplatz und damit auch mit dem Arbeitsrecht verbunden. Die Situation am Arbeitsplatz spielt oft eine sehr große Rolle. Aus unserer Erfahrung kann es dabei sowohl eine Drucksituation sein, die von dem konkreten Arbeitsplatz ausgeht, als auch eine Innenschau die dazu geführt hat, dass der Arbeitsplatz als Hamsterrad empfunden wird. Der Arbeitsplatz und die Erwartungen an ihn fallen dauerhaft auseinander.

 

Burnout und Arbeitsrecht

 

Oft kann es jedoch auch Sinn machen die Situation, in welcher der Arbeitnehmer steckt, arbeitsrechtlich beleuchten zu lassen. So gibt es Situationen in denen wir unsere Mandanten über eine Aufhebungsvereinbarung aus dem Arbeitsverhältnis geholt haben und so einen Neuanfang ermöglicht haben. Hier muss natürlich sehr vorsichtig agiert werden. Den Arbeitgeber direkt anzusprechen und den Wunsch nach einer Abfindung zu äußern, ist in der Regel definitiv kontraproduktiv. Gerade in einer solchen Situation zeigt sich, dass Arbeitszeit Lebenszeit ist und kann es großen Sinn machen die aktuelle Situation auch arbeitsrechtlich zu überdenken.

 

Zu einigen Stichpunkten möchte ich näher ausführen:

 

Burnout und Überstunden

 

Eine Belastung von Arbeitnehmern kann schlicht durch zu viele Überstunden eintreten. Hier stellt sich oft die Frage, ob überhaupt eine Verpflichtung besteht Überstunden zu leisten und falls ja, in welchem Umfang. Allgemein lässt sich sagen, dass zahlreiche Klauseln in Arbeitsverträgen unwirksam sind und oft keine Verpflichtung besteht überhaupt Überstunden zu leisten. Unabhängig davon hat niemand etwas davon, wenn die eigenen Ressourcen erschöpft werden.

 

 

Mitteilung an Arbeitgeber?

 

Es besteht keine Verpflichtung diese Diagnose dem Arbeitgeber mitzuteilen. Ganz pauschal lässt sich dies allerdings nicht sagen, da es sicherlich Berufsbilder gibt in denen dies erforderlich sein kann. Als Kapitän eines Passagierschiffes oder Flugzeugführer besteht im Zweifel eine Verpflichtung dies dem Arbeitgeber zu offenbaren, da von diesem Zustand eine abstrakte Gefährdung ausgeht. Dies dürften jedoch Ausnahmefälle sein. Ansonsten müssen Sie sich diesen Schritt gut überlegen. Eine Verpflichtung besteht nicht. Es gibt jedoch auch Arbeitgeber die ein großes Interesse haben Ihre Führungskräfte hier zu unterstützen und Hilfe zu leisten. Auf der anderen Seite kann dies als Signal der Schwäche gedeutet werden und ihre Situation verschlimmern. Im Zweifel erst einmal schweigen.

 

 

Berufsunfähigkeit

 

Burnout kann zu dauernder oder eingeschränkter Berufsunfähigkeit führen. Gegebenenfalls ist hier auch an eine Erwerbsminderungsrente zu denken. In der Praxis hat dies oft längere Auszeiten aufgrund Krankschreibung zur Folge. Ich selbst kenne Fälle in denen eine Krankschreibung bis zu 2 Jahren erfolgte. Während dieser Zeit dürfen Sie nicht nur, sondern geradezu verpflichtet, Dinge zu machen, die Sie auf andere Gedanken bringen. Sei es Reisen, Hobbys. Alles was Ihrer Gesundung dient ist auch arbeitsrechtlich nicht zu beanstanden. Sie brauchen sich also nicht zu verstecken.

 

 

Schadensersatz vom Arbeitgeber?

 

Dies ist denkbar. Den Arbeitgeber trifft eine umfassende Pflicht zur Fürsorge. Geregelt ist dies in § 618 BGB. Bei Verstoß können den Arbeitgeber Schadensersatzansprüche treffen. Hat Mobbing oder Bossing zu dieser Situation geführt, kann auch ein Unterlassungsanspruch bestehen. In der Praxis sind die Gesichtspunkte Schadensersatz und Unterlassung in der Regel allerdings nicht wirklich tragend, da die Beträge in Deutschland äußerst gering sind. Der prozessuale Weg ist steinig und verbessert selten die Situation. Es gibt bessere Mittel zu agieren.

 

 

Kündigung wegen Burnout

 

Eine Kündigung speziell wegen Burnout ist nicht möglich. Theoretisch denkbar wäre eine krankheitsbedingte Kündigung. Die Rechtsprechung stellt hier sehr hohe Anforderungen. Zu unterscheiden ist zwischen häufigen Kurzerkrankungen und langandauernder Erkrankung. In beiden Konstellationen sind die Hürden für den Arbeitgeber wirksam kündigen zu können sehr hoch aufgestellt. So reicht etwa eine längere Ausfallzeit nicht aus. Neben vielen anderen Gesichtspunkten muss insbesondere auch eine sogenannte negative Zukunftsprognose hinzukommen.

 

Auch wenn der Arbeitgeber sich bewusst es, dass eine Kündigung eigentlich nicht wirksam ist, kann er eine solche aussprechen. Sehr wichtig ist es dann gegen diese fristwahrend Kündigungsschutzklage einzureichen. Wird nicht innerhalb von 3 Wochen nach Zugang der Kündigung Kündigungsschutzklage eingereicht, ist auch die schlechteste Kündigung rechtswirksam. Nach deutschem Arbeitsrecht wird die Wirksamkeit einer Kündigung erst im Rahmen des arbeitsgerichtlichen Verfahrens geprüft.

 

In der Freizeit immer erreichbar?

 

Grundsätzlich sind Sie nicht verpflichtet in der Freizeit erreichbar zu sein. Nur in den wenigsten Fällen besteht eine Verpflichtung während des Urlaubs E-Mails abfragen zu müssen oder für Telefonate zur Verfügung zu stehen. Abmahnungen oder Kündigungen dürften hier in der Regel unwirksam sein.

 

Lösung

 

Burnout ist leider eine gewisse Modediagnose, hinter der mittlerweile ein sehr großer Markt steckt. Burnout ist einfach schicker als eine Diagnose psychische Belastung. Mit Burnout verbunden ist gefühlt auch immer die Aussage, dass in dem Arbeitsverhältnis sehr viel geleistet wurde. Tatsache ist, dass es Burnout gibt und Tatsache ist, dass die Folgen für den Betroffenen gravierend sind. Dennoch sollten Sie sich nicht wild auf alle verfügbaren Angebote stürzen, sondern diese in Ruhe prüfen.

 

Sie sollten sowohl Ihren gesundheitlichen Zustand als auch Ihre arbeitsrechtliche Situation beleuchten, um für sich selbst beurteilen zu können, welchen Weg Sie zukünftig gehen wollen. Es kann sein, dass Sie für sich selbst entscheiden, das „Hamsterrad“ zu verlassen. Denkbar ist jedoch auch, dass Sie die Entscheidung für Ihren Arbeitsplatz treffen und der Weg dahingehend körperlich und geistig wieder stärker zu werden.

 

Entscheiden Sie sich dafür, das Unternehmen zu verlassen und einen neuen Weg zu gehen, muss dies in Ruhe vorbereitet werden. Natürlich können Sie auch einfach eine Eigenkündigung aussprechen. Zielführender ist es jedoch, den Versuch zu unternehmen einen Aufhebungsvertrag zu verhandeln der ihnen Geld und Zeit gibt. Hier muss mit viel Fingerspitzengefühl agiert werden. Ein gesetzlicher Anspruch auf Zahlung einer Abfindung besteht nicht und wenn der Arbeitgeber das Gefühl bekommt, der Mitarbeiter will ohnehin gehen, wird er in der Regel nicht noch eine Abfindung drauflegen. Eine taktisch schwierige Situation die ich gerne mit Ihnen gemeinsam löse.

 

Autor Robert C. Mudter, Rechtsanwalt für Arbeitsrecht