Kündigung während Krankheit

Im Arbeitsrecht gibt es zahlreiche Rechtsirrtümer die sich hartnäckig halten. Neben der Frage etwa, ob bei Kündigung automatisch ein Anspruch auf Abfindung entsteht (Nein), wird auch immer wieder die Frage gestellt, ob eine Kündigung unwirksam ist, da sie während einer Erkrankung ausgesprochen wurde bzw. zugegangen ist.

 

Nach deutschem Arbeitsrecht ist eine Kündigung nicht deshalb unwirksam, da die Kündigung während einer Erkrankung zugegangen ist. Sind Sie krank und erhalten eine Kündigung, führt dies alleine also noch nicht dazu, dass die Kündigung nicht wirksam ist. Durch eine Kündigung während Krankheit, werden die normalen Fristen ausgelöst und Sie müssen entsprechend reagieren. Insbesondere die Frist zur Erhebung einer Kündigungsschutzklage müssen Sie beachten. Wird nicht innerhalb von drei Wochen nach Zugang einer Kündigung Kündigungsschutzklage eingereicht, gilt die Kündigung als wirksam.

 

Etwas anderes gilt in dem Arbeitsrecht der Schweiz. Je nach Dauer der Betriebszugehörigkeit besteht ein Kündigungsschutz wegen der Krankheit. Ist ein Arbeitnehmer krank, kann diesem für einen bestimmten Zeitraum nicht gekündigt werden. Eine Kündigung während Krankheit ist für einen bestimmten Zeitraum nicht möglich. Eine entsprechende Regelung findet sich im deutschen Arbeitsrecht allerdings nicht.

 

Auch im deutschen Arbeitsrecht mag es Ausnahmen geben. Es sind sicherlich Fälle denkbar, in denen eine Kündigung gegen die Grundsätze von Treu und Glauben verstößt, wenn der Arbeitgeber weiß, dass der Arbeitnehmer erkrankt ist und hieraus eine Drucksituation resultiert. Dies ist jedoch eher ein theoretischer Ansatz.

 

Spricht der Arbeitgeber eine Kündigung aus Anlass der Erkrankung aus, handelt es sich um eine sogenannte Anlasskündigung. Überspitzt formuliert ist damit die Situation gemeint, dass der Arbeitgeber aus Wut über die Erkrankung eine Kündigung ausspricht. Es geht also nicht um den Kündigungsgrund, sondern die innere Motivation. Kann dies nachgewiesen werden, hat der Arbeitnehmer Anspruch auf Lohnfortzahlung bis zu 6 Wochen, auch über das Beendigungsdatum hinaus. Gegebenenfalls kann hierin auch eine Sittenwidrigkeit der Kündigung liegen.

 

Eine Kündigung wegen Erkrankung ist allerdings möglich. Um dies auch ganz deutlich zu machen: Auch eine Kündigung während einer Krankheit, wegen einer Erkrankung ist möglich. Dies ist jedoch zu unterscheiden von der Kündigung wegen der Krankheit. Hiervon wird gesprochen, wenn die Kündigung aufgrund häufiger Kurzerkrankungen oder einer Langzeiterkrankung erfolgt. Die Voraussetzungen einer krankheitsbedingten Kündigung beschreiben wir an anderer Stelle. Eine Kündigung nach deutschem Arbeitsrecht wird wirksam, wenn nicht spätestens drei Wochen nach Zugang Kündigungsschutzklage eingereicht wird. Waren sie aufgrund einer Erkrankung an der fristgemäßen Einreichung der Klage gehindert, kann auch ein Antrag auf Wiedereinsetzung gerechtfertigt sein. Da hier sehr strenge Maßstäbe anzusetzen sind müssen sie nach Gesundung sofort reagieren.

Also: Eine Kündigung die während einer Erkrankung zugeht ist nicht unwirksam, weil der Arbeitnehmer bei Zugang erkrankt war. Es gelten die normalen Spielregeln.

 

Autor: Fachanwalt für Arbeitsrecht Robert Mudter